Geschichte

Es war ein Freitag, vermutlich der 11.Februar 1859, als einige progressive Männer in Oberjettingen über die Gründung eines Männerchores heftig diskutierten.

Wie in der Gründungschronik anno 1859 des Vereins zu entnehmen ist, war es der Dorfobrigkeit nicht gerade angenehm, einen „Jünglingsliederkranz“ mit für damalige Hörgewohnheiten sehr modernen Silcherliedern in der Gemeinde zu haben. Doch der befürchtete „Sittenverfall“ war nicht mehr aufzuhalten und 10 Tage später meldete der Stiftungsrat die erfolgte Gründung.

Tatsächlich weiß man von den Anfangsjahren nicht mehr viel. Doch sämtliche Kritiken sollten endlich verstummen, und stolz muss Oberjettingen im Jahre 1900 auf seinen Gesangverein gewesen sein, als diesem beim Sängerfest in Herrenberg der 1.Preis verliehen wurde. Der Verein blieb „in Freud und Leid zum Lied bereit“ und überstand die Höhen und Tiefen der folgenden Zeit. Das 100jährige Bestehen feierte man ganz groß mit Rundfunkübertragung und 1500 Sängerinnen und Sängern (erst) im Jahr 1960, denn noch bis vor kurzem galt 1860 als Gründungsjahr.

Für unzählige große und kleine, öffentliche und private Auftritte, Ständle und Konzerte, Aufnahmen beim Rundfunk und für die erste Schallplatte im Jahr 1979 haben fähige und engagierte Chorleiter dem überlieferten Liedgut immer wieder neues hinzugefügt. Daher ist es für uns keine Frage, mit musikalischem Anspruch Modernes und Bewährtes zu singen. Es macht einfach riesigen Spaß, und unser Chor ist offen für jeden.

Jetzt heißt es, reinhören in unsere erste CD, für die mit viel Engagement und Herzblut geprobt, gesungen, manchmal richtig gearbeitet und schließlich aufgenommen wurde. Nach über 150 Jahren muss niemand mehr um die guten Sitten fürchten, wenn es heißt…

immer montags … Mann-O-Mann!

>> 1859/1860
Mitte Februar 1859 treffen sich sangesfreudige Oberjettinger Männer, um – unter einiger misstrauischer Beobachtung der Kirchenoberen – einen Gesangverein zu gründen. Als „Jünglingsliederkranz“ bezeichnet, etabliert sich der Chor endgültig und in Anwesenheit von Liederkränzen aus
Herrenberg und Tailfingen mit der Fahnenweihe am 24. August 1860. Er wird damit der älteste und traditionsreichste Verein der Gemeinde.
Der erste Dirigent, den damals die Gemeinde bezahlt, ist Lehrgehilfe in Oberjettingen und heißt Dingler.

>> 1890
Aus den Neunziger Jahren, als der Lehrer Roth den Chor dirigiert, gibt es Berichte über ein lebendiges Vereinsgeschehen und beachtliche musikalische Leistungen. Die Oberjettinger sind gern gesehene Gäste bei Festen in den Nachbargemeinden und in der eigenen Gemeinde.

>> 1900
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Beim Sängerwettstreit in Herrenberg erringen die Sänger den 1. Preis. Auch bei anderen Sängerwettstreiten sind sie erfolgreich. Um die Jahrhundertwende ist die „Bier-Halle“, der spätere Gasthof „Krone“ das Vereinslokal.

>> 1925
Nach schwierigen Kriegs- und Nachkriegsjahren feiert der Liederkranz im Mai sein 65-jähriges Bestehen: zu dem großen Fest mit Preissingen und Fahnenweihe sind 39 Gesangvereine zu Gast.

>> 1933
Unter den Nationalsozialisten muss sich der Schwäbische Sängerbund neu organisieren, auch der Liederkranz schließt sich zwangsläufig einem Gau an. Der 1. Vorsitzende ist „Vereinsführer“, der Chor singt pflichtgemäß auch bei Parteiveranstaltungen. Am 11. November 1933 beschließt der Ausschuss die Gründung eines gemischten Chors, der dann auch 16 Sängerinnen findet. Allerdings: nach 1935 ist in den Protokollen nichts mehr über einen gemischten Chor zu lesen. Über die Jahre des Nationalsozialismus leitet Gottlieb Weippert als Vorsitzender die Geschicke des Liederkranzes.

>> 1935
Oberlehrer Baach gibt das Dirigentenamt auf, ihn ersetzen nacheinander die Dirigenten Gottlob Böss und Johannes Weippert.

>> 1943
Der Liederkranz stellt während des Zweiten Weltkriegs seine Aktivitäten ein, nachdem viele Männer als Soldaten ins Feld ziehen mussten – fünf der Sänger ließen dabei ihr Leben.

>> 1945
Als am 16. April 1945 Jagdbomber Oberjettingen angreifen, geht das Vereinslokal, der Gasthof „Bären“, in Flammen auf, mit ihm das gesamte Vereinsinventar, so die Fahnen. 24 Sänger gründen noch 1945 den Liederkranz neu. Am 25. November 1945, dem Totensonntag, tritt der Chor
erstmals in der Kirche wieder auf.

>> 1950
Der Liederkranz feiert das 90-jährige Bestehen. Der Nagolder Lehrer Otto Drissner wird Dirigent: er gilt als Glücksgriff und prägt 15 Jahre lang den Chor. Neben dem alten Liedgut werden moderne Chorsätze in Angriff genommen.

>> 1960
Das 100-jährige Bestehen feiert der Männerchor mit 40 Gastvereinen und etwa 1.500 Sängern und Sängerinnen, das Fest wird gleichzeitig zur Silcher-Gedächtnis-feier des Otto-Elben-Gaus genutzt.

>> 1962
Der Liederkranz erhält die Zelterplakette.

>> 1963
Friedrich Strohäker dankt als 1. Vorsitzender ab, zum Nachfolger wird Heinrich Fortenbacher gewählt. Der Verein zählt bald 124 Mitglieder, davon 46 aktive Sänger.

>> 1965
Dirigent Otto Drissner hört auf, er wird 1967 zum Ehrendirigenten ernannt. Sein Nachfolger bis 1985 ist der Lehrer Hermann Seitz aus Nagold.

>> 1966
Die Gesangvereine Mötzingen, Öschelbronn, Unterjettingen und Oberjettingen schließen sich zur Chorgruppe Oberes Gäu zusammen, 1981 folgt der Liederkranz Bondorf.

>> 1968
Teilnahme am 16. Bundessängerfest in Stuttgart. Danach studiert der Männerchor die „Lieder eines Lumpen“ von Wilhelm Busch ein, die in der Nagolder Lemberghalle produzierte Rundfunkaufnahme (Süddeutscher Rundfunk) findet große Anerkennung.

>> 1971
Kosaken_verkleinert
Unter Leitung von Kalman Fleischhacker tritt der neue „Kleine Chor“ des Liederkranz erstmals auf, sein Programm besteht zunächst aus russischen Volksliedern.

>> 1972
Im Jahr des Gemeindezusammenschlusses von Ober- mit Unterjettingen geht mit der örtlichen Turnhalle endlich der lang gehegte Wunsch nach einem Saal in Erfüllung. Vereinslokal ist inzwischen die „Krone“, nachdem die „Traube“ geschlossen wurde.

>> 1976
Einen Wunsch erfüllen sich die Sänger 1976 mit der Produktion einer eigenen Schallplatte mit dem wohlklingenden Namen „Oh wie schön ist deine Welt“, die allgemein einen sehr guten Anklang findet.

>> 1979
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Nach 16 Jahren gibt Heinrich Fortenbacher den Vereinvorsitz auf, 1980 übernimmt Herbert Saier das Amt. Das Jettinger Weinfest wird aus der Taufe gehoben und soll sich über die Jahre als sehr beliebte Veranstaltung in der Schwabenhalle etablieren.

>> 1985
Das ereignisreiche Jubiläumsjahr ist geprägt von: Rundfunkaufnahme in der Villa Berg in Stuttgart, Festkonzert mit dem Orchester der Musikschule Herrenberg, Jubiläumsfest im Juni mit Festzug und Freundschaftssingen und einem Dirigentenwechsel. Hermann Hess übernimmt nach 20 Jahren den Dirigentenstab von Hermann Seitz.

>> 1986
Hermann Seitz wird nach 20 aktiven Jahren und 754 Singstunden zum Ehrendirigenten ernannt.

>> 1987
Beim 7. Weinfest mit Besuch der Württembergischen Weinprinzessin „Susanne I” verzeichnet der Liederkranz einen Besucherrekord. Mit dem Dirigenten Hermann Hess wird ein erstes Konzert unter dem Motto „Bekannte und beliebte Chöre” aufgeführt.

>> 1988
Der Liederkranz umrahmt die Feierlichkeiten anlässlich „200 Jahre Martinskirche Oberjettingen” zusammen mit dem Ehrenbürger Jettingens Prof. Dr. Hans-Martin Decker-Hauff.

>> 1989
25.000 Gäste bestaunen beim historischen Festzug anlässlich der 700-Jahr Feierlichkeiten die Attraktion des Festzuges, das „Auswanderer-Schiff” des Liederkranzes, das eigens dafür angeschafft und in monatelanger Arbeit restauriert wurde.

>> 1990
Der Liederkranz feiert sein 130-jähriges Jubiläum mit einem Konzert, begleitet vom „Harmonika Club Jettingen”. Außerdem präsentiert sich der Chor bei der Landesgartenschau in Sindelfingen mit einem einstündigen Auftritt.

>> 1991
Beim 11. Weinfest treten die neu gegründeten „Barbers”, ein Männerquartett mit Sängern aus den Reihen des Liederkranzes, zum ersten Mal auf.

>> 1992
Nach dem Umbau der Turnhalle in Oberjettingen kann der Liederkranz endlich in einen „eigenen” Probenraum umziehen.

>> 1993
Nach über 1.100 Arbeitsstunden Eigenleistung ist der Geräteschuppen im Kröpfle bezugsfertig.

>> 1995
Der Liederkranz beteiligt sich mit drei Beiträgen beim ersten Sommerferienprogramm der Gemeinde.

>> 1996
Wieder ein richtungsweisendes Jahr. Herbert Saier übergibt nach 16 Jahren den 1. Vorsitz an Georg Mauch, Roland Gäfgen übernimmt das Dirigenten-Amt von Hermann Hess, der den Chor 12 Jahre leitete.

>> 1998
Der Liederkranz besucht erstmals die französische Partnergemeinde Senones und veranstaltet zusammen mit dem „Ensemble Vocal de Salm” in der Abteikirche ein Konzert.

>> 1999
An vier Aufnahmetagen, verteilt über das ganze Jahr, nimmt der Liederkranz seine CD „immer freitags…” im Tonstudio Bauer in Ludwigsburg auf.

>> 2000
Anlässlich des 140-jährigen Jubiläums veranstaltet der Liederkranz ein Konzert, bei dem auch die neue CD vorgestellt wird. Zusammen mit der Kantorei Renningen und dem Renninger Chor „Kreuz & Quer” beteiligt sich der Liederkranz an einem Kirchenkonzert, das in Renningen und in Jettingen aufgeführt wird.

>> 2002
Mehrtägiger Ausflug nach Senones: der Chor singt am Grab des verstorbenen Begründers der Gemeindepartnerschaft Jules Vauthier, während Bürgermeister Willy Dieterle eine Gedenktafel niederlegt.

>> 2003
Konzertreise in die Toskana und Besuch der Partnergemeinde Vernio (Italien). Teilnahme an der Jettinger Veranstaltung „Musik für Europa“, organisiert vom Liederkranz und vom Musikverein, mit Gästen aus Senones (Frankreich), Vernio (Italien) und Marchin (Belgien).

>> 2004
Erstes Wunschkonzert „Männer à la carte“ in der Oberjettinger Turnhalle, für das Jettinger Bürger 20 Lieder ausgewählt hatten.

>> 2005
Konzertausflug nach Senones mit Auftritt in der Abteikirche.

>> 2006
„Vivaldi meets Pop“ heißt das gemeinsame Konzert mit den Renninger Chören des Dirigenten Roland Gäfgen. Die hoch gelobte Veranstaltung findet in der Renninger Petruskirche und in der Jettinger Martinskirche statt. Erfolgreiche Ausrichtung des Ehrungsnachmittags des Chorverbands Otto Elben in der Schwabenhalle. CD-Aufnahme in Renningen für den Liederkalender des Verlags „Edition Omega“ zusammen mit dem Jettinger Kinderchor KiCo und dem Kinderchor der Renninger Kantorei.

>> 2007
Aufnahme des Stückes „Heute woll’n wir feiern“ durch den SWR für die TV-Sendung „Sonntagstour“ (ausgestrahlt am 10. Juni 2007). Konzert „Männer à la
carte – Menü 2007“ zusammen mit dem „Choeur des 3 Abbayes“ aus Senones. Gemeinsames Konzert mit dem Kirchenchor in der Michaelskirche Unterjettingen und in der Martinskirche Oberjettingen. Aufgeführt werden Teile des „Messias“ von G. F. Händel.

>> 2008
Casting für „Grand Prix der Chöre“ in Köln, wobei der Liederkranz die erste Hürde nehmen kann und dann leider ausscheidet. Vereins- und Konzertausflug nach Senones mit den Familien, private Übernachtungen bei Gastgebern des „Choeur des 3 Abbayes“ und des „Ensemble Vocal de Salm”.

>> 2009
Der Liederkranz hat „Herrn Stumpfes Zieh & Zupfkapelle“ in der gut besuchten Schwabenhalle zu Gast. Im Rahmen einer Patenschaft übergibt der Liederkranz die erste FELIX-Auszeichnung für gutes Singen mit Kindern an den Waldkindergarten Jettingen. Konzert „Männer à la carte – Menü 2009“ wieder zusammen mit dem „Choeur des 3 Abbayes“ aus Senones. Der Liederkranz beginnt mit der Aufnahme einer Jubiläums-CD.

>> 2010
Der Liederkranz feiert sein 150-jähriges Jubiläum … mit einem Jubiläumskonzert am 13. März in der Schwabenhalle und einem 2-tägigen Fest Anfang Oktober, als samstags Jettinger Vereine musizierten und sonntags das Weinfest stieg. Im Rahmen des Konzerts wurde die Jubiläums-CD Mann-O-Mann vorgestellt.

Dirigent Roland Gäfgen feiert nach 16 Jahren musikalischer Leitung seinen Ausstand, Anja Stäbler übernimmt.

>> 2012
Der Männergesangverein Liederkranz Oberjettingen muss ohne 1. Vorsitzenden auskommen, nachdem Georg Mauch nach 16 Jahren an der Spitze bei der Wahl nicht mehr antritt und kein Nachfolger bereit steht.

>> 2013
Raphael Ettle (später: Layher) übernimmt die musikalische Leitung des Männerchors von Anja Stäbler.

>> 2014
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Nach über 30 Jahren ersetzt der Männergesangverein Liederkranz Oberjettingen das traditionelle Jettinger Weinfest erfolgreich durch den Jettinger Herbstbesen, der ebenfalls an einem Sonntag Anfang Oktober stattfindet, jedoch in der kleineren Oberjettinger Turnhalle. Das neue Konzept setzt auf Regionalität.

>> 2015
Nachdem bereits seit 2012 die Rolle des 1. Vorsitzenden nicht mehr besetzt ist, stellt sich nun auch kein Kandidat für den Posten des 2. Vorsitzenden als Nachfolger von Michael Haag zur Verfügung.

>> 2016
Sowohl die Funktion des 1. Vorsitzenden als auch die des 2. Vorsitzenden werden durch Rüdiger Stumm und Michael Haag besetzt.